Beim Netzwerktreffen des Raiffeisen-Funktionärinnen-Beirats Mitte April in den Räumlichkeiten des Lagerhauses Graz Land in Voitsberg stand eines im Mittelpunkt: die aktive Gestaltung der Zukunft durch Vielfalt, Engagement und gemeinschaftliche Verantwortung.
Vertreter:innen aus Genossenschaften, Wirtschaft und Bankwesen nutzten am 17. April im Lagerhaus Voitsberg die vom Raiffeisenverband Steiermark und den steirischen Vertreterinnen im Raiffeisen-Funktionärinnen-Beirat im Rahmen des alljährlichen Netzwerktreffens geschaffene Plattform, um Erfahrungen auszutauschen, Herausforderungen zu diskutieren und neue Impulse zu setzen.
Tradition trifft Transformation
Zum Auftakt gaben der Vorstandsvorsitzende des Lagerhauses Graz Land, Johann Dorner, sowie Verbandsobmann Franz Titschenbacher spannende Einblicke in die Entwicklung der Lagerhaus-Genossenschaften in der Steiermark. Dabei wurde deutlich: Die Verbindung aus rund 90 Jahren Tradition und kontinuierlicher Innovation – etwa durch moderne Infrastruktur oder Blackout-Vorsorge – ist ein zentraler Erfolgsfaktor. Gleichzeitig wurde betont, dass wirtschaftliche Entwicklungen, wie schwankende Umsätze, stets im Kontext globaler Veränderungen betrachtet werden müssen. Titschenbacher brachte es auf den Punkt: „Transformation ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Gerade Genossenschaften sind geprägt von gemeinsamer Verantwortung und nachhaltigem Denken."
Sichtbarkeit schafft Chancen für Frauen
Ein zentrales Highlight der bestens besuchten Veranstaltung war der Impuls von Ariane Pfleger, Vorstandsdirektorin der Raiffeisen-Landesbank Steiermark. Sie sprach offen über ihren persönlichen Karriereweg in einer traditionell männlich geprägten Branche und machte deutlich, dass Netzwerke eine entscheidende Rolle spielen: „Netzwerktreffen wie diese sind unheimlich wertvoll – sie helfen, bestehende Strukturen aufzubrechen.“ Besonders betonte sie die Bedeutung von Vielfalt in Organisationen: Unterschiedliche Perspektiven steigern nachweislich die Entscheidungsqualität und verbessern das Arbeitsklima. Gleichzeitig appellierte sie an Frauen, Chancen frühzeitig zu ergreifen: „Man muss nicht zu 100 Prozent sicher sein – 80 Prozent reichen, um den nächsten Schritt zu gehen.“ Auch Themen wie Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie flexible Karrierewege wurden intensiv diskutiert. Neue Modelle wie die Gleichstellung von Fach- und Führungskarrieren zeigen, wie Unternehmen aktiv Rahmenbedingungen schaffen können.
Podiumsdiskussion gab konkrete Einblicke aus der Praxis
In der Podiumsdiskussion wurden die vielfältigen Rollen, Herausforderungen und Chancen von Funktionärinnen aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet: Die Aufsichtsratsvorsitzende-Stellvertreterin der Raiffeisenbank Graz-Peter, Eva Haase-Pietsch, ging auf die Unterschiede zwischen Warengruppe und Bankensparte ein. Sie betonte die besondere Rolle von Funktionärinnen in Gremien: das „Zwischen-den-Zeilen-Lesen“, das frühzeitige Erkennen von Spannungen sowie das aktive Entschärfen von Konflikten. Gleichzeitig hob sie die steigenden fachlichen Anforderungen hervor – insbesondere durch regulatorische Vorgaben im Bankensektor. Auch die Vereinbarkeit von Familie, Beruf und Funktion bleibe eine zentrale Herausforderung. Im urbanen Kontext komme hinzu, dass Genossenschaften weniger sichtbar seien und Kundenbindung stärker aktiv gestaltet werden müsse, so Haase-Pietsch.
Der Aufsichtsratsvorsitzende des Lagerhauses Graz Land, Christian Konrad, stellte die zentrale Aufgabe von Funktionär:innen in den Fokus: die Vertretung der Eigentümer:inneninteressen sowie die Rolle als Multiplikator nach außen. Er unterstrich, dass Vielfalt weit über Geschlechterfragen hinausgeht – etwa im Hinblick auf unterschiedliche Betriebsformen oder Generationen. Für die Gewinnung neuer Funktionärinnen und junger Menschen sei es entscheidend, gezielt anzusprechen statt zufällig zu „finden“. Bestehende weibliche Vorbilder in Gremien würden diesen Prozess zusätzlich erleichtern, ebenso wie eine ausgewogene regionale Repräsentation.
Gemeinschaft hilft zu begeistern
Elisabeth, Schülerin der HLA für Landwirtschaft und Ernährung Graz-Eggenberg und Mitglied der Schüler:innengenossenschaft Mischkultur, hob die Bedeutung von Gemeinschaft und persönlichem Umfeld hervor, wenn es darum geht, junge Menschen für Funktionen zu begeistern. Motivation entstehe oft durch direkte Ansprache im Freundeskreis sowie durch den Wunsch, gemeinsam etwas zu bewegen. Entscheidend sei, dass ehrenamtliches Engagement nicht nur Verantwortung bedeutet, sondern auch Lernen, Weiterentwicklung und Freude mit sich bringe. Schulkollegin Isabell lenkte den Blick auf die Rolle von Social Media und digitalen Angeboten. Um insbesondere junge Zielgruppen zu erreichen, brauche es verstärkte Präsenz außerhalb klassischer Kanäle. Initiativen wie der Aufbau eines eigenen Marketingteams oder die Entwicklung eines Onlineshops würden zeigen, wie Genossenschaften neue Wege gehen können – auch mit Blick auf Nachhaltigkeit und Erreichbarkeit.
Helga Hurdax, Vorstandsvorsitzender-Stellvertreterin im Lagerhaus Graz Land, formulierte klare Erwartungen an zukünftige Funktionärinnen: "Neben fachlicher Kompetenz brauche es Persönlichkeit – etwa Charme, Hartnäckigkeit und Authentizität. Wichtig ist die Fähigkeit, Entscheidungen – auch schwierige – gemeinsam zu treffen, kritisch zu hinterfragen und diese nach außen klar zu vertreten."