Beim 4. Raiffeisen-Bauwirtschaftsforum Mitte September in Raaba-Grambach diskutierten Expert:innen unter anderem, wie Künstliche Intelligenz Bauprojekte unterstützen kann, was nachhaltige Immobilien langfristig wertvoll macht und wie sich der Wohnungsmarkt entwickelt.
Das von der Raiffeisen-Landesbank Steiermark und dem Raiffeisenverband Steiermark veranstaltete 4. Raiffeisen-Bauwirtschaftsforum brachte am 15. September Fachleute aus Bauwirtschaft, Projektentwicklung, Marktforschung und Finanzierung in Raaba-Grambach zusammen. Schon bei der Begrüßung wurde deutlich, wie eng diese Themen verbunden sind: Technische Möglichkeiten eröffnen neue Wege, zugleich verlangen knappe Ressourcen und wirtschaftliche Unsicherheit sorgfältige Entscheidungen. Neben den Vorträgen bot das Forum auch genügend Raum für Fragen und Austausch.
KI am Bau: Gute Daten und Erfahrung zählen
Zum Auftakt zeigte Baumeister Walter Haberfellner von der Swietelsky AG, wie künstliche Intelligenz Bauabläufe unterstützen kann – etwa beim Strukturieren von Informationen, bei der Prüfung von Unterlagen und beim Erkennen von Risiken. Voraussetzung dafür seien verlässliche Daten und Mitarbeiter:innen, die Ergebnisse fachlich beurteilen können. Gerade am Bau könnten plausibel klingende, aber falsche Antworten weitreichende Folgen haben. Sein Appell: Unternehmen sollten ihre Beschäftigten befähigen, KI im Arbeitsalltag sinnvoll einzusetzen und ihre Antworten kritisch zu prüfen.
Nachhaltigkeit über den gesamten Lebenszyklus denken
Peter Ulm von der Allora Immobilien GmbH aus Wien rückte die langfristige Nutzbarkeit von Gebäuden in den Mittelpunkt. Anhand der Entwicklung einer ehemaligen Brotfabrik erläuterte er, wie Energieversorgung, Begrünung, Mobilität und die flexible Nutzung bestehender Bausubstanz zusammenspielen. Für die Wirtschaftlichkeit einer Immobilie seien nicht allein die Kosten beim Bauen entscheidend, sondern auch Betrieb, Instandhaltung und künftige Nutzungsmöglichkeiten. „Es geht nicht um Errichtungskosten. Es geht um Lebenszykluskosten“, brachte Ulm seinen Ansatz auf den Punkt.
Wohnungsmarkt erholt sich – Neubau bleibt Engpass
Einen datenbasierten Blick auf den Immobilienmarkt lieferte der Geschäftsführer der auf Immobilientransaktionsdaten spezialisierten Genossenschaft ZT Datenforum, Dieter Leitner. Seine Auswertung für das erste Halbjahr 2026 zeigte eine Belebung der Transaktionen, allerdings mit deutlichen regionalen Unterschieden. Während wieder mehr Wohnungen verkauft werden, geht das Angebot an neuem Wohnraum zurück. Das könnte den Druck auf dem Mietmarkt erhöhen. Für junge Familien bleibe Leistbarkeit besonders dort erreichbar, wo Grundstücke und Wohnungen noch vergleichsweise günstig sind.
Lebenswerte Städte brauchen Beteiligung
Barbara Hammerl, die Gründerin des Stadtlabors Graz, lenkte den Blick von den Marktdaten auf die Menschen, die Städte und Gemeinden nutzen und gestalten. Ihre zentrale Botschaft: Gute Stadtentwicklung entsteht, wenn Politik, Verwaltung, Bauwirtschaft und Bevölkerung früh miteinander sprechen. Wer Nachbarschaften verständlich informiert und ihre Perspektiven einbezieht, kann Vertrauen schaffen und bessere Lösungen entwickeln. „Zukunft ist ein Teamsport“, meinte Hammerl.
Schwierige Projekte früh und genau prüfen
Zum Abschluss sprach Christoph Schäfer von der Carso Invest GmbH über Immobilienprojekte in finanziellen Schwierigkeiten. Er empfahl, bei Finanzierungsentscheidungen genauer auf die Erfahrung der Projektverantwortlichen, die tatsächliche Nachfrage, laufende Kostenkontrolle und die Verwertbarkeit eines Projekts zu achten. Gerate ein Bauvorhaben unter Druck, könne eine abgestimmte Restrukturierung helfen, Werte zu erhalten – insbesondere bei weit fortgeschrittenen, noch nicht fertiggestellten Projekten. Dafür müssten Bauträger, Banken und Fachleute rechtzeitig zusammenarbeiten.
Zusammenarbeit als gemeinsamer Nenner
Das Bauwirtschaftsforum 2026 zeigte eine Branche mit unterschiedlichen Aussichten: Der Wohnungsmarkt gewinnt wieder an Bewegung, während fehlender Neubau und wirtschaftliche Risiken anspruchsvoll bleiben. Die Vorträge machten zugleich deutlich, worauf es für tragfähige Projekte ankommt: auf belastbare Daten, fachliche Erfahrung, einen Blick auf den gesamten Lebenszyklus und den offenen Austausch zwischen allen Beteiligten.