Unter dem Motto „Zukunft braucht junge Ideen“ rückte der Raiffeisentag 2026 Ende Juni in Wien die nächste Generation in den Mittelpunkt. Zudem stellte sich der neue Raiffeisen-Generalanwalt dem breitem Publikum vor: Der Burgenländer Erwin Tinhof folgt auf Erwin Hameseder.
Alle zwei Jahre bringt der Österreichische Raiffeisentag Funktionärinnen und Funktionäre sowie Führungskräfte aus ganz Österreich zusammen. Heuer lud der Österreichische Raiffeisenverband (ÖRV) nach am 26. Juni nach Wien, wo rund 300 Spitzenvertreter:innen aller Sparten und Bundesländer im Palais Niederösterreich zusammenkamen.
Im feierlichen Rahmen übergab Erwin Hameseder nach vier Jahren an der Spitze des ÖRV das Amt des Generalanwalts an seinen von der Generalversammlung tags zuvor gewählten Nachfolger Erwin Tinhof. Hameseder hatte sich nicht mehr der Wiederwahl gestellt. Für seine Verdienste um Raiffeisen wurde er mit der Raiffeisen-Nadel in Gold mit Diamanten, der höchsten Auszeichnung des ÖRV, sowie mit einer Sonderausgabe der Raiffeisenzeitung geehrt.
Neuer Generalanwalt nennt Schwerpunkte
Der neu gewählte Generalanwalt Erwin Tinhof spricht in seinem ersten Interview über sein neues Amt, seine künftigen Schwerpunkte und wie er die Zusammenarbeit im Sektor stärken will. Gemeinsam mit den Landesorganisationen und Genossenschaften will der burgenländische Winzer die Zusammenarbeit im Raiffeisen-Verbund weiter ausbauen und die gemeinsame Stärke noch besser nutzen. Als weitere Schwerpunkte nennt Tinhof die Digitalisierung, die Gewinnung neuer Mitglieder sowie die stärkere Sichtbarmachung der genossenschaftlichen Werte. Gerade in Zeiten des technologischen Wandels seien Vertrauen, regionale Verankerung und persönliches Miteinander wesentliche Erfolgsfaktoren. Gleichzeitig sieht er in einer engeren Zusammenarbeit über Bundesländergrenzen hinweg großes Potenzial, um Raiffeisen zukunftsfit weiterzuentwickeln und junge Menschen für die Genossenschaftsidee zu begeistern.
"Zukunft braucht junge Ideen"
Unter dem Motto „Zukunft braucht junge Ideen“ stand beim Raiffeisentag allgemein die Frage im Mittelpunkt, wie Innovation, Verantwortung und genossenschaftliche Werte den Wandel in Wirtschaft und Gesellschaft gestalten können. Philosoph Richard David Precht warb in seiner Keynote dafür, Veränderungen aktiv zu gestalten und jungen Menschen mehr Raum für Eigenverantwortung und kritisches Denken zu geben. Angesichts der rasanten Entwicklung der Künstlichen Intelligenz brauche es vor allem „eine Schule der Urteilskraft und des Sinns der Freiheit“. Neue Ideen entstünden dort, wo Menschen bereit seien, Verantwortung zu übernehmen und neue Wege zu gehen.
"Wandel als Chance"
In den anschließenden Gesprächsrunden wurde deutlich, dass auch Raiffeisen den Wandel als Chance versteht. Im Mittelpunkt standen eine starke regionale Verankerung, persönliche Beratung und attraktive Angebote für junge Menschen. Innovation bedeute dabei nicht nur technologische Weiterentwicklung, sondern vor allem, den genossenschaftlichen Gedanken zukunftsorientiert weiterzuentwickeln und den Mehrwert für Mitglieder und Kundinnen und Kunden sichtbar zu machen.
Zukunft braucht Abbau von Barrieren
Einen weiteren Impuls setzte Staatsoperndirektor Bogdan Roščić. Anhand der Entwicklung der Wiener Staatsoper zeigte er auf, wie traditionsreiche Institutionen neue Zielgruppen erreichen können, ohne ihre Identität aufzugeben. „Man muss Menschen nur ermöglichen, am eigenen Leib zu erleben, was Oper tut. Den Rest erledigt die Kunst von selbst“, sagte Roščić. Zukunft entstehe dort, wo Barrieren abgebaut und Menschen eingeladen würden, Teil einer gemeinsamen Idee zu werden – ein Gedanke, der auch mit den genossenschaftlichen Werten von Raiffeisen eng verbunden sei.
Rundes Programm mit zentraler Botschaft
Abgerundet wurde der Raiffeisentag durch weitere Programmpunkte, darunter die Präsentation der ÖRV-Zukunftsstudie, die Verleihung des Raiffeisen Genius Awards sowie Gespräche mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Sport. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer, Digitalisierungsstaatssekretär Alexander Pröll sowie die niederösterreichische Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner betonten die beteunde Rolle von Raiffeisen in unserem Land. Ebenso auf der Bühne: Vertreter des erfolgreichen U17-Fußballnationalteams, das im Vorjahr in Katar sensationell Vizeweltmeister wurde. Die zentrale Botschaft des Tages zog sich durch alle Beiträge: Zukunft braucht Offenheit für neue Ideen, Mut zur Veränderung und das Vertrauen in die Kraft gemeinschaftlichen Handelns.