Presseinformation anlässlich des Verbandstages am 2. September 2025
Ganz im Zeichen des von der UNO ausgerufenen „Internationalen Jahres der Genossenschaften 2025“ stand der diesjährige Verbandstag des Raiffeisenverbandes Steiermark in Raaba-Grambach. Unter dem Motto „Genossenschaft kann mehr. Weltweit.“ wurde auf die regionale und globale Bedeutung von Genossenschaften aufmerksam gemacht.
Mehr als 300 Gäste, darunter jede Menge bekannte Gesichter aus Politik und Wirtschaft wie der ehemalige Vizekanzler Josef Riegler, Styria-Boss Markus Mair, ÖRV-Generalsekretär Johannes Rehulka und RLB-Chef Martin Schaller, folgten im „Internationalen Jahr der Genossenschaften“ am 2. Oktober der Einladung von Verbandsobmann Franz Titschenbacher nach Raaba-Grambach zum großen Festtag der steirischen Raiffeisen-Genossenschaften. „Genossenschaft kann mehr. Weltweit.“ lautete dabei das Motto, mit dem die Spitzen der sterischen Raiffeisen-Organisation die besondere Rolle von Genossenschaften in der aktuellen Zeit in das allgemeine Bewusstsein rücken wollten.
„Genossenschaften zeigen, dass wirtschaftlicher Erfolg und soziale Verantwortung kein Widerspruch sind, sondern ein zukunftsfähiges Wirtschaftsmodell im 21. Jahrhundert darstellen“, sieht Titschenbacher in der weltweit verbreiteten Rechtsform eine zeitgemäße Antwort auf Nähe, Regionalität und Mitbestimmung in einer globalisierten Welt. Die internationale Verbreitung der Genossenschaftsidee ist dabei auch maßgeblich vom deutschen Genossenschaftsgründer Friedrich Wilhelm Raiffeisen inspiriert worden. Heute zählen die drei Millionen Genossenschaften auf der ganzen Welt rund eine Milliarde Mitglieder und bieten 280 Millionen Arbeitsplätze. Gleichzeitig bieten sie Menschen einen idealen, wertorientierten Rahmen, um Vorhaben nachhaltig und demokratisch umzusetzen. „Für viele weltumfassende Herausforderungen unserer Zeit sind die regional verwurzelten, nachhaltig agierenden Genossenschaften optimale Lösungen. Sie gestalten damit eine bessere Welt. Dabei steht immer die Förderung der Mitglieder und somit der Mensch im Mittelpunkt“, so der Verbandsobmann. Titschenbacher dankte auch allen anwesenden Genossenschaftsvertretern für ihre Bemühungen und den Einsatz im Interesse der Allgemeinheit.
Gestärkt durch sehr gutes Jahr
Dass dieses Engagement in den steirischen Genossenschaften zu sehr guten wirtschaftlichen Ergebnissen im Jahr 2024 führte, erläuterte Verbandsdirektor Peter Weissl: „Für die Raiffeisen-Organisation in unserem Bundesland war das vergangene Jahr ein ausgesprochen gutes Jahr. Die Raiffeisenbanken haben eines der besten Jahre in der Geschichte hinter sich. Bei den Lagerhäusern hat es zwar Umsatz- und Gewinnrückgänge gegeben, sie sind aber wirtschaftlich gut aufgestellt. Die anderen Bereiche wie Molkereien und Energie haben sich ebenfalls sehr stabil entwickelt.“
„Mit steigenden Betriebsgrößen kommen auf unsere Mitgliedsbetriebe oft neue Herausforderungen in der Steuerung der Unternehmen, in der Führungskultur und auch seitens der Regulatorik zu. Als Revisionsverband schauen wir nicht nur in der Prüfung genau, sondern wir wollen unsere Mitglieder auch bestmöglich begleiten und entsprechende Serviceangebote liefern, besonders in der Aus- und Weiterbildung.“ Die Rechtsform Genossenschaft ist aus Sicht von Weissl zuletzt noch gefragter und attraktiver geworden, unter anderem durch geänderte rechtliche Rahmenbedingungen. „Genossenschaften sind durch die Revision besonders sicher und ein zeitgemäßes Wirtschaftsmodell. Sie bieten sehr viel Potenzial für die Zukunft. Das zeigen auch die stark gestiegenen Gründungszahlen in den letzten Jahren.“
Neue steirische Vertreterinnen auf Bundesebene
Bei Ergänzungswahlen in den Verbandsvorstand wurden Barbara Hausegger-Hörmann (Raiffeisenbank Gratwein-Hitzendorf) und Daniela Monschein (Raiffeisenbank Kalsdorf-Lieboch-Stainz) neu in das Gremium gewählt. Sie beide folgen Doris Grantner-Planitzer (Raiffeisenbank Aichfeld) und Michaela Stock (Raiffeisenbank Graz-St. Peter), die bereits im Vorjahr ausgeschieden ist, auch als steirische Vertreterinnen im Funktionärinnen-Beirat des Österreichischen Raiffeisenverbandes nach.
Kollektive Kraftanstrengung für Republik notwendig
Das Hauptreferat des kurzweiligen Abends hielt der Leiter der Denkfabrik Agenda Austria, Franz Schellhorn, der sich mit der schwierigen Lage des Staatshaushaltes in Österreich auseinandersetzte. Sein Fazit: „Wir genießen in unserem Land noch immer einen enorm hohen Wohlstand, der zu den höchsten in Europa zählt und für alle Vorgängergenerationen noch undenkbar war.“ Dieser Wohlstand sei für Schellhorn aber kein Versprechen für die Zukunft mehr. Dieses Land brauche vielmehr einen Turnaround, eine gemeinsame Kraftanstrengung aller Beteiligten: „Österreich legt mit rekordhohen Staatsausgaben die schlechteste wirtschaftliche Performance aller EU-Länder hin. Die Republik Österreich verwandelt die zweithöchsten Staatseinnahmen in das vierthöchste Defizit aller Euroländer. Während die Wirtschaft schrumpft, steigen die Löhne.“
Der gefragte Wirtschaftsexperte hat für die Verantwortlichen in der Republik auch die passenden Rezepte parat: „Österreich braucht eine Ausgabenbremse wie die Schweiz, um die überschießenden Budgetdefizite in den Griff zu kriegen. Die Defizite von heute sind die höheren Steuern von morgen.“ Ferner schlägt Schellhorn eine zweistufige Flat Tax wie in Polen statt höherer Sozialabgaben vor, damit die Leistungsbereiten einen Anreiz haben mehr zu arbeiten. Auch sollten sich die Lohnverhandler an der exportorientierten Industrie orientieren. Nur so könnten die höheren Arbeitskosten auf den Märkten verdient und nicht zum Boomerang werden. Darüber hinaus bräuchte es für die Jüngeren eine betriebliche Altersvorsorge, um noch auf eine sichere Pension vertrauen zu können. Gleichzeitig müssten Förderungen gekürzt und Paragrafen gestrichen werden – so wie Argentinien es derzeit macht. „Das alles wird nicht ohne Schmerzen über die Bühne gehen – aber am Ende steht ein Leben in Wohlstand für alle“, ist Franz Schellhorn zuversichtlich.
Wirtschaftliche Entwicklung im Genossenschaftsbereich:
Als stets verlässlicher Partner der steirischen Wirtschaft haben sich im Bankensektor die inzwischen 39 selbständigen Raiffeisenbanken im Verbund mit der Raiffeisen-Landesbank Steiermark erwiesen. Die um eine Milliarde Euro auf 17,4 Milliarden gestiegenen Ersteinlagen sind ein Zeichen des hohen Vertrauens in die steirischen Raiffeisen-Primärbanken, spiegeln aber auch die deutlich gestiegene Sparquote der Haushalte wider. Stabil blieben die Ausleihungen bei 14,6 Milliarden Euro – trotz herausfordernder konjunktureller Rahmenbedingungen und stark einschränkender Vergabestandards bei der Finanzierung von Wohnimmobilien (KIM-VO). Das Betriebsergebnis im Ausmaß von 457 Millionen Euro oder 2,22 % der durchschnittlichen Bilanzsumme war mehr als solide. Das EGT lag bei 385 Millionen Euro oder 1,87 % und somit auf dem Niveau des ganz starken Vorjahres. Damit konnte die Raiffeisen-Bankengruppe Steiermark im Jahr 2024 ihre ohnehin äußerst stabile Eigenkapitalsituation sowie ihre Rolle als finanzieller Nahversorger weiter kräftig stärken.
Der Lagerhausbereich steckte nach den beiden sehr umsatzstarken Jahren im Jahr 2021 und 2022 zum zweiten Mal in Folge einen merklichen Rückgang ein. Abermals musste eine Umsatzverminderung auf nunmehr 953 Millionen Euro festgestellt werden, wenngleich diese mit 2,9 % um einiges geringer ausfiel als in der Vorperiode (-7,8 %). Besonders stark fiel die Negativentwicklung im Agrarbereich aus. Beträchtliche mengenmäßige Rückgänge bei landwirtschaftlichen Erzeugnissen und Betriebsmitteln paarten sich vielfach mit gesunkenen Preisen. Auch der Handel mit Baustoffen schwächelte. Das Ergebnis vor Steuern (EvS) aller Warengruppen-Betriebe betrug in Summe 1,8 Millionen Euro oder 0,2 % der Betriebsleistung. Im Vergleich zu den Vorjahren hat sich dieser Wert deutlich reduziert. In den Aus- und Umbau sowie in die Sanierungen der Lagerhäuser wurden steiermarkweit im Vorjahr 27 Millionen Euro investiert.
Die Molkereisparte wurde im Jahr 2024 mit 544.600 Tonnen Rohmilch beliefert. Die Anliefermenge stieg um 0,5 %, die Anzahl der Milchlieferanten im Geschäftsjahr 2024 reduzierte sich abermals um vier Prozent auf 3.350. Damit setzte sich der seit Jahren beobachtbare Trend in der Landwirtschaft im Vorjahr kontinuierlich fort. Die Milchanlieferung pro Betrieb hingegen stieg weiter an und betrug bereits über 162.000 Kilogramm im Jahresverlauf. Die Milchpreisentwicklung zeigte im Jahresverlauf 2024 – ausgehend von einem niedrigen Niveau – einen kontinuierlichen Anstieg, insbesondere im vierten Quartal. Insgesamt lag der Durchschnittspreis 2024 aber unter jenem des Vorjahres. Die Betriebsleistung der steirischen Molkereien ist im Jahr 2024 um 3,9 % auf 290,3 Millionen Euro angestiegen. Das operative Ergebnis der steirischen Molkereien konnte im Jahr 2024 klar verbessert werden und war nur mehr leicht negativ, da es deutlich besser gelungen ist, die zuletzt stark gestiegenen Rohstoff-, Energie- und Personalaufwendungen zum einen durch Effizienzsteigerungen abzufangen, anderseits teilweise an den Handel weiterzugeben. Von der hervorragenden Qualität der Milchprodukte zeugen zahlreiche Auszeichnungen auf nationaler und internationaler Ebene. Neben erstklassigen Produktgüte ist die heimische Milchwirtschaft auch bekannt für hohe Nachhaltigkeitsstandards. So wurden speziell im Bereich des Tierwohls neue Richtlinien umgesetzt.
Einen Gesamtumsatz von 29,9 Millionen Euro (+9,5 %) erwirtschafteten die 78 Biowärme- und Hackschnitzelbetriebe und versorgten dabei mehr als 6.400 Kunden mit natürlicher Wärme. Die Volatilitäten und Unsicherheiten am Energiemarkt haben zu einer enormen Nachfrage nach erneuerbarer Energie geführt. Steiermarkweit wurden in Summe 19 Millionen Euro in den Ausbau des Leitungsnetzes sowie neue Betriebsanlagen investiert und weitere 300 Wärmebezieher angeschlossen – ein Zeichen des hohen Vertrauens der Kunden auf regionale Wärme aus nachhaltigen Rohstoffen zu stabilen Preisen. Neben der hohen Anzahl an Neuanschlüssen führten auch die Indexanpassungen zu gestiegenen Umsatzerlösen. Das Ergebnis vor Steuern betrug insgesamt ca. 3,2 Millionen Euro und hat sich im Vergleich zum Vorjahreswert von 2,3 Millionen Euro verbessert dargestellt.
Bei den sonstigen vom Raiffeisenverband Steiermark zu prüfenden Mitgliedsbetrieben ist die wirtschaftliche Lage insgesamt stabil. Die stagnierende österreichische Wirtschaftsentwicklung spiegelt sich auch in vielen Ergebnissen der steirischen Genossenschaften wider.
Fakten:
Der Raiffeisenverband Steiermark mit seinen 116 Mitarbeiter:innen vertritt die Interessen von derzeit 297 Mitgliedern, davon
Diese Genossenschaften zählen rund 540.000 Mitglieder. Damit ist statistisch gesehen fast jeder zweite Einwohner der Steiermark Mitglied einer Raiffeisen-Genossenschaft. Rund 6.400 Mitarbeiter:innen (davon fast 2.800 im Bankenbereich der Primärebene) und 2.800 ehrenamtliche Funktionär:innen sind derzeit bei diesen Genossenschaften tätig. Zusätzlich werden fünf Schüler:innen-Genossenschaften betreut, mit denen der Raiffeisenverband Steiermark über Kooperationsvereinbarungen eng verbunden ist. In den Jahren 2024 und 2025 wurden mit Unterstützung des Raiffeisenverbandes Steiermark 19 neue Genossenschaften im Bundesland gegründet, größtenteils davon im Bereich der Erneuerbaren Energiegemeinschaften. Das Leistungsangebot des Raiffeisenverbandes Steiermark umfasst die Bereiche Prüfung und Genossenschaftsrevision, Aus- und Weiterbildung sowie Beratungsleistungen in rechtlichen, steuerlichen und organisatorischen Fragen.
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Mag. Armin Friedmann
Raiffeisen-Platz 11
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