Presseinformation anlässlich des Verbandstages am 8. Oktober 2026
Bewährte Werte, neue Technologien und ein klarer Blick in die Zukunft: Der Verbandstag 2026 des Raiffeisenverbandes Steiermark zeigte, wie die steirische Raiffeisen-Organisation den Wandel aktiv gestalten will, ohne ihre genossenschaftlichen Wurzeln aus den Augen zu verlieren. Vertrauen und regionale Stärke bleiben dabei zentrale Erfolgsfaktoren.
Mehr als 300 Gäste aus der steirischen Raiffeisen-Organisation sowie aus Wirtschaft und Gesellschaft kamen am 8. Oktober in Raaba-Grambach zum Verbandstag des Raiffeisenverbandes Steiermark zusammen. Verbandsobmann Franz Titschenbacher konnte dabei zahlreiche prominente Gäste begrüßen, darunter den ehemaligen Vizekanzler Josef Riegler, den neuen Raiffeisen-Generalanwalt Erwin Tinhof, ÖRV-Generalsekretär Johannes Rehulka und RLB-Chef Martin Schaller. Unter dem Motto „Tradition trifft Transformation“ widmete sich der Verbandstag der Frage, wie die bewährten Stärken der Genossenschaften mit den Herausforderungen und Chancen des technologischen Wandels verbunden werden können.
Für Verbandsobmann Franz Titschenbacher ist das Motto „Tradition trifft Transformation“ weit mehr als eine Momentaufnahme. Gerade im Jubiläumsjahr „140 Jahre Raiffeisen in Österreich“ zeige sich, dass Beständigkeit und Veränderung keine Gegensätze seien. Werte wie regionale Verwurzelung, solidarisches Miteinander sowie Eigenständigkeit und Eigenverantwortung vor Ort hätten über Generationen hinweg Bestand, müssten aber immer wieder an die Herausforderungen der Zeit angepasst werden. Wie tragfähig dieses Fundament sei, hätten die steirischen Raiffeisenbanken und Genossenschaften auch unter den schwierigen Rahmenbedingungen des vergangenen Jahres bewiesen. Geopolitische Unsicherheiten, wirtschaftliche Herausforderungen und technologische Veränderungen würden die Unternehmen zunehmend fordern. Umso wichtiger seien Kompetenz, Kontinuität und die Bereitschaft zur Weiterentwicklung. Das entscheidende gemeinsame Kapital bleibe dabei das Vertrauen, betonte Titschenbacher.
Mit Blick auf die Zukunft sieht der Verbandsobmann insbesondere in der Ernährungs- und Energieversorgung, der Regionalentwicklung sowie der Digitalisierung zentrale Handlungsfelder. Dabei gelte es, regionale Stärken mit neuen Möglichkeiten zu verbinden. Gerade bei Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz dürften regionale Nähe und technologische Innovation kein Widerspruch sein. Entscheidend sei, auch künftig „das gute Bewährte, das bewährte Gute mit dem Aktuellen, mit dem zukunftsgewandten Neuen zu verbinden“ und damit Zukunft aktiv zu gestalten.
Digitale Chancen nutzen, genossenschaftliche Stärken bewahren
Die Rolle von Raiffeisen als Anker für Stabilität und Vertrauen in unserem Land unterstrich auch Verbandsdirektor Peter Weissl. Zugleich verwies er auf den tiefgreifenden technologischen Wandel, der Gesellschaft und Wirtschaft zunehmend prägt: „Diese Entwicklung muss als Chance verstanden werden!“ Entscheidend sei, die Geschäftsmodelle so weiterzuentwickeln, dass Raiffeisen auch künftig die richtigen Antworten auf die Erwartungen der Menschen finde. Eine zentrale Herausforderung bestehe darin, die digitale Transformation innerhalb der bestehenden Strukturen erfolgreich zu gestalten. „Wir brauchen zum einen ein deutlich verbessertes digitales Angebot, zum anderen höhere Flexibilität bei den Produkten und Dienstleistungen. Mit einem stärker personalisierten Angebot kann den Kunden ein konkreter Mehrwert geboten werden“, so Weissl. Gleichzeitig gelte es, jene Stärken auszuspielen, die Digitalisierung und Künstliche Intelligenz nicht ersetzen könnten: persönliches Vertrauen und regionale Verbundenheit. Genau darin liege ein wesentlicher Vorteil des genossenschaftlichen Modells. Umso wichtiger sei es, den Mehrwert einer Mitgliedschaft bei Raiffeisen noch sichtbarer zu machen, neue Mitglieder zu gewinnen und den Beitrag der Genossenschaften zur Entwicklung der Regionen stärker ins Bewusstsein zu rücken.
Auch dem Raiffeisenverband Steiermark komme in diesem Veränderungsprozess eine wichtige Rolle zu, betonte der Verbandsdirektor: „Eine unserer wesentlichen Aufgaben wird auch in Zukunft die Anwaltschaft und Vertretung der Interessen unserer Mitglieder sein, damit die steirischen Raiffeisen-Genossenschaften weiterhin ein unverzichtbarer Partner für die heimische Wirtschaft sind.“ Zugleich zog Weissl eine sehr positive Bilanz über das vergangene Jahr des Revisionsverbandes. Dem Raiffeisenverband sei es erneut gelungen, seine Mitgliedsbetriebe bestmöglich zu unterstützen und zu begleiten. Die zahlreichen positiven Rückmeldungen aus den Mitgliedsgenossenschaften würden diesen Weg bestätigen.
Höchste Auszeichnung für Hainzl
Mit der Raiffeisen-Nadel in Gold, der höchsten Auszeichnung des Raiffeisenverbandes Steiermark, wurde beim Verbandstag Josef Hainzl für seine Verdienste geehrt. Der Landwirt aus dem Murtal hat die Entwicklung der Raiffeisen-Bankengruppe Steiermark über Jahrzehnte maßgeblich mitgeprägt, zuletzt als Aufsichtsratspräsident der Raiffeisen-Landesbank Steiermark und Obmann-Stellvertreter des Raiffeisenverbandes Steiermark. Im Mai dieses Jahres übergab er seine Ämter aus Altersgründen an seinen Nachfolger Franz Pichler.
„Löwenmutige“ Innovation aus der Steiermark
Wie gesellschaftliche Innovation aus der Steiermark aussehen kann, zeigte das „Team Löwenmut“, das beim Verbandstag sein Resilienz- und Mobbingpräventionsprogramm präsentierte. Im Juni dieses Jahres wurde das Team beim bundesweiten Raiffeisen-Tag in Wien mit dem Raiffeisen Genius Award ausgezeichnet. Der Preis würdigt besondere Ideen, die gesellschaftliche Herausforderungen aufgreifen und das Miteinander in den Regionen stärken. Das 2022 in der Steiermark gestartete Resilienz- und Mobbingpräventionsprogramm richtet sich an Schulen und Kindergärten. In Workshops lernen Kinder, ihre Gefühle wahrzunehmen, Grenzen zu setzen und Konflikte konstruktiv zu lösen. Gleichzeitig werden Pädagog:innen und Eltern durch Weiterbildungen und praxisnahe Angebote eingebunden. Mittlerweile erreicht das Projekt tausende Kinder und zahlreiche Bildungseinrichtungen über die Bundesländergrenzen hinaus.
Vertrauen als Anker im KI-Zeitalter
Künstliche Intelligenz verändert Wirtschaft und Alltag in atemberaubendem Tempo. In seiner Keynote „Vertrauen ist die Währung des digitalen Zeitalters“ zeigte Zukunftsanalyst Oliver Leisse aus Hamburg, was das für steirische Unternehmen bedeutet: Effizienz allein genügt nicht, es braucht auch Empathie. Leisse, der die Zukunft seit dem Jahr 2000 beobachtet, empfiehlt eine kritisch-optimistische Haltung. Humanoide Roboter gehen in Serie, Robotaxis fahren bereits in fünf US-Städten, und eine KI hat ein mathematisches Problem gelöst, das 80 Jahre unlösbar erschien. Damit verdeutlichte Leisse die rasante Entwicklung immer leistungsfähigerer KI-Systeme und deren Potenzial als digitale Assistenten.
Zugleich warnte Leisse vor Kontrollverlust, Desinformation und dem Wegfall von Einstiegsjobs. Wer sein Erfahrungswissen teilt und neugierig bleibt, gehört für ihn zu den Gewinnern der Ära der kreativen Generalisten. Den Unternehmen gab er drei Leitgedanken mit auf den Weg: Commitment, Coaching und Connection. Commitment bedeute, Haltung zu zeigen und Orientierung zu geben. Gerade in Zeiten rascher Veränderungen seien Unternehmen gefordert, gegenüber Kunden und Partnern klar Position zu beziehen, Verantwortung zu übernehmen und ihre regionale Verbundenheit sichtbar zu leben. Coaching gehe wiederum über das Angebot hochwertiger Produkte und Dienstleistungen hinaus: Beratung werde künftig noch stärker zur Begleitung. Aus Produktexperten sollten Partner werden, die ihre Kunden mit Kompetenz und persönlicher Beratung auch durch Veränderungen begleiten. Connection schließlich rücke die menschliche Beziehung in den Mittelpunkt. Nähe zu den Kunden ebenso wie ein starkes Miteinander im Unternehmen würden in einer zunehmend von KI geprägten Welt zu einem entscheidenden Vertrauensanker. Sein Fazit: Die Verbindung von genossenschaftlichen Werten, regionaler Verwurzelung und digitaler Stärke könne zu einem entscheidenden Wettbewerbsvorteil werden.
Wirtschaftliche Entwicklung im Genossenschaftsbereich:
Als stets verlässlicher Partner der steirischen Wirtschaft haben sich im Bankensektor die 39 selbständigen Raiffeisenbanken im Verbund mit der Raiffeisen-Landesbank Steiermark erwiesen. Die um 0,8 Milliarden Euro auf 18,2 Milliarden Euro gestiegenen Ersteinlagen sind ein Zeichen des hohen Vertrauens in die steirischen Raiffeisen-Primärbanken. Trotz herausfordernder konjunktureller Rahmenbedingungen sind die Ausleihungen leicht auf 14,9 Milliarden Euro angewachsen. Das Betriebsergebnis im Ausmaß von 407 Millionen Euro oder 1,89 % der durchschnittlichen Bilanzsumme war abermals mehr als solide. Das EGT lag bei 325 Millionen Euro oder 1,51 %, konnte aber trotz moderater Risikokosten das Niveau der beiden starken Vorjahre nicht mehr ganz erreichen. Mit dieser erfreulichen Entwicklung hat die Raiffeisen-Bankengruppe Steiermark im Jahr 2025 ihre ohnehin äußerst stabile Eigenkapitalsituation sowie ihre Rolle als finanzieller Nahversorger weiter kräftig gestärkt.
Der Lagerhausbereich konnte nach merklichen Rückgängen in den beiden Vorjahren im Geschäftsjahr 2025 seine Umsätze stabil bei 955,4 Millionen Euro halten. Belastend wirkten vor allem die schwierige Marktsituation in der Landwirtschaft, schwankende Preise, steigende Kosten sowie eine zurückhaltende Nachfrage in einzelnen Geschäftsbereichen. Das Ergebnis vor Steuern (EvS) aller Warengruppen-Betriebe ist erneut zurückgegangen, war aber letztlich ausgeglichen. Dennoch können die steirischen Lagerhäuser auf eine solide Eigenkapitalausstattung verweisen. In den Aus- und Umbau sowie in die Sanierungen der Lagerhäuser wurden steiermarkweit im Vorjahr 30,8 Millionen Euro investiert.
Die Molkereisparte wurde im Jahr 2025 mit 567.000 Tonnen Rohmilch beliefert. Die Anliefermenge stieg um 4,1 %, die Anzahl der Milchlieferanten im Geschäftsjahr 2025 reduzierte sich abermals um fast vier Prozent auf 3.225. Damit setzte sich der seit Jahren beobachtbare Trend in der Landwirtschaft im Vorjahr kontinuierlich fort. Die Milchanlieferung pro Betrieb hingegen stieg stark an und bewegt sich mit über 175.000 Kilogramm im Jahresverlauf beinahe schon auf Österreich-Ebene. Die Milchpreisentwicklung konnte sich nach den Schwankungen der Vorjahre lange Zeit auf einem höheren Niveau einpendeln, hat sich aber seit Jahresende 2025 rückläufig entwickelt. Die Betriebsleistung der steirischen Molkereien ist im Jahr 2025 um 8,1 % auf 313,8 Millionen Euro angestiegen. Das operative Ergebnis der steirischen Molkereien war im Jahr 2025 erneut leicht negativ. Ursachen dafür waren weiterhin hohe Kostenbelastungen sowie der anhaltende Druck auf die Margen in der Verarbeitung und Vermarktung. Die steirischen Milchverwertungsgenossenschaften werden regelmäßig für ihre hochwertigen Produkte prämiert. Im September 2026 fiel zudem die Entscheidung, den Molkereibetrieb der Obersteirischen Molkerei in die Berglandmilch einzubringen. Vorbehaltlich der behördlichen Genehmigungen wird dies zu einer wesentlichen Strukturveränderung bei den steirischen Milchverwertungsgenossenschaften führen.
Einen kräftigen Umsatzzuwachs im Ausmaß von 12,2 Prozent auf nun 33,5 Millionen Euro erwirtschafteten die 78 Biowärme- und Hackschnitzelbetriebe und versorgten dabei knapp 6.700 Kunden mit natürlicher Wärme. Die bis heute anhaltenden Volatilitäten und Unsicherheiten am Energiemarkt haben zu einer enormen Nachfrage nach erneuerbarer Energie geführt. Steiermarkweit wurden in Summe 21,2 Millionen Euro in den Ausbau des Leitungsnetzes sowie in neue Betriebsanlagen investiert und weitere 300 Wärmebezieher angeschlossen – ein Zeichen des hohen Vertrauens der Kunden auf regionale Wärme aus nachhaltigen Rohstoffen zu stabilen Preisen. Neben der hohen Anzahl an Neuanschlüssen führten auch die Indexanpassungen zu gestiegenen Umsatzerlösen. Das Ergebnis vor Steuern betrug insgesamt fast 4,2 Millionen Euro und hat sich im Vergleich zum Vorjahreswert von 3,2 Millionen Euro klar verbessert.
Bei den sonstigen vom Raiffeisenverband Steiermark zu prüfenden Mitgliedsbetrieben ist die wirtschaftliche Lage insgesamt stabil. Die schwache österreichische Wirtschaftsentwicklung spiegelt sich auch in vielen Ergebnissen der steirischen Genossenschaften wider.
Fakten:
Der Raiffeisenverband Steiermark mit seinen 111 Mitarbeiter:innen vertritt die Interessen von derzeit 299 Mitgliedern, davon
Diese Genossenschaften zählen rund 520.000 Mitglieder. Damit ist statistisch gesehen fast jeder zweite Einwohner der Steiermark Mitglied einer Raiffeisen-Genossenschaft. Rund 6.400 Mitarbeiter:innen (davon fast 2.800 im Bankenbereich der Primärebene) und 2.800 ehrenamtliche Funktionär:innen sind derzeit bei diesen Genossenschaften tätig. Zusätzlich werden fünf Schüler:innen-Genossenschaften betreut, mit denen der Raiffeisenverband Steiermark über Kooperationsvereinbarungen eng verbunden ist. In den Jahren 2024 bis 2026 wurden mit Unterstützung des Raiffeisenverbandes Steiermark 21 neue Genossenschaften im Bundesland gegründet, größtenteils davon im Bereich der Erneuerbaren Energiegemeinschaften. Das Leistungsangebot des Raiffeisenverbandes Steiermark umfasst die Bereiche Prüfung und Genossenschaftsrevision, Aus- und Weiterbildung sowie Beratungsleistungen in rechtlichen, steuerlichen und organisatorischen Fragen.
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Mag. Armin Friedmann
Raiffeisen-Platz 11
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Tel.: (0316) 8084-36017 oder 0650 4753253
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